
Ein typischer Satz aus der Verwaltungspraxis (frei erfunden!): „Das Formular ist vollständig ausgefüllt einzureichen unter gleichzeitiger Beifügung der erforderlichen Nachweise gemäß § 4 Abs. 2 der Verordnung.“
Wer kennt solche Sätze nicht? Sie stehen in Bescheiden, auf Formularen, auf Behördenwebsites – und sie kosten Menschen Zeit, Nerven und im schlimmsten Fall sogar Rechte, weil sie schlicht nicht verstanden werden.
Behördendeutsch ist ein altes Problem. Aber kein unlösbares. Als Lektorin arbeite ich regelmäßig mit Behörden, Institutionen und Verbänden zusammen und begegne diesem Problem immer wieder. In diesem Beitrag zeige ich, warum verständliche Sprache in der öffentlichen Verwaltung weit mehr ist als ein Stilmittel: Sie ist eine Frage der Wirksamkeit, des Vertrauens und der Zugangsgerechtigkeit.
Was ist Behördendeutsch – und warum ist es so hartnäckig?
Behördendeutsch zeichnet sich durch Nominalstil, Passivsätze, Schachtelsätze, Paragrafenverweise und Fachbegriffe aus. Behördendeutsch ist historisch gewachsen. Und lange galt: Im Zweifel zählt Präzision mehr als Verständlichkeit.
Das führt z. B. zu solchen Formulierungen:
- „Der Antragsteller hat die Voraussetzungen des § 8 nachzuweisen.“ → „Bitte belegen Sie, dass Sie die Bedingungen aus § 8 erfüllen.“
- „Vorbehaltlich der Prüfung durch die zuständige Behörde“ → „Nachdem wir Ihren Antrag geprüft haben.“
- „Zur Kenntnisnahme und weiteren Veranlassung“ → „Bitte lesen Sie dieses Schreiben und unternehmen Sie die nötigen Schritte.“
Solche Formulierungen sind nicht falsch, aber sie sind oft unnötig kompliziert. Und das hat Folgen.
Drei gute Gründe für verständliche Verwaltungssprache
Verständlichkeit schafft Vertrauen. Wenn Bürgerinnen und Bürger Bescheide oder Formulare nicht verstehen, entstehen Frustration und Misstrauen gegenüber der Behörde. Verständliche Sprache signalisiert das Gegenteil: Wir nehmen Sie ernst. Wir möchten, dass Sie uns verstehen.
Klarheit spart Ressourcen. Unklare Formulare werden falsch ausgefüllt. Unklare Bescheide führen zu Anrufen, Nachfragen und Widerspruchsverfahren. Das kostet Zeit und Aufwand – auf beiden Seiten. Wer verständlich schreibt, arbeitet effizienter.
Sprache ist eine Frage der Zugangsgerechtigkeit. Nicht alle Menschen bringen die gleichen sprachlichen Voraussetzungen mit. Wer wenig Deutsch spricht, wer wenig liest, wer unter Stress steht – all diese Menschen haben ein Recht darauf, staatliche Kommunikation zu verstehen. Verständliche Sprache ist damit auch eine demokratische Anforderung.
Von der Theorie zur Praxis: So werden Verwaltungstexte verständlicher
Ein paar Grundsätze, die in der Praxis den größten Unterschied machen:
- Aktiv statt Passiv: „Bitte reichen Sie ein“ statt „Es ist einzureichen“
- Kurze Sätze: Eine Aussage pro Satz. Nebengedanken bekommen eigene Sätze.
- Verben statt Substantive: „prüfen“ statt „eine Prüfung vornehmen“
- Direkte Ansprache: „Sie“ statt „der Antragsteller“
- Fachbegriffe erklären oder weglassen, wenn sie nicht zwingend nötig sind.
Das bedeutet nicht, dass Präzision geopfert werden muss. Verständlichkeit und rechtliche Genauigkeit schließen sich nicht aus. Es kommt auf sorgfältige Formulierung an. Und genau dabei kann ein professionelles Lektorat helfen.
Was ein Lektorat für Behördentexte leisten kann
Als externe Lektorin für Behördentexte bringe ich den Blick von außen: Ich erkenne, welche Stellen unklar sind, wo Formulierungen Fragen aufwerfen und wo der Stil unnötig sperrig wirkt. Der fachliche Inhalt bleibt dabei selbstverständlich unangetastet.
Ich unterstütze Behörden, Institutionen und Verbände bei Bescheiden, Schreiben und Formularen, bei Webseiteninhalten, Berichten, Leitfäden, Pressemitteilungen und öffentlichen Bekanntmachungen.
Verständliche Sprache ist keine Schwäche – sie ist ein Zeichen von Stärke
Behördendeutsch ist nicht unvermeidlich. Verwaltungen, die klar kommunizieren, arbeiten effizienter, gewinnen Vertrauen und erfüllen ihren öffentlichen Auftrag besser.
Wenn Sie möchten, dass Ihre Texte nicht nur korrekt, sondern auch wirklich verständlich sind, freue ich mich über Ihre Nachricht. Mehr zu meinem Angebot für Behörden und Institutionen finden Sie hier.
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