
Wer sich zum ersten Mal auf die Suche nach einer Lektorin oder einem Lektor macht, stellt schnell fest: Das Angebot ist groß, die Unterschiede sind es auch. Preise, Leistungsbeschreibungen und Qualifikationen variieren erheblich und wer nicht weiß, worauf er achten soll, trifft die Wahl schnell nach dem falschen Kriterium.
In einem früheren Beitrag habe ich erklärt, wie Lektoratspreise entstehen und warum sehr günstige Angebote oft einen Haken haben. Die Frage, die sich daran anschließt, ist: Wenn der Preis allein kein verlässliches Kriterium ist, woran erkenne ich dann eine gute Lektorin oder einen guten Lektor?
Lektorat ist kein geschützter Begriff
Ein wichtiger Ausgangspunkt: Die Bezeichnung Lektorin oder Lektor ist in Deutschland nicht geschützt. Jede und jeder darf sich so nennen, unabhängig von Ausbildung, Erfahrung oder Qualifikation. Das macht die Auswahl nicht unmöglich, aber es bedeutet, dass man etwas genauer hinschauen muss als bei Berufen, für die eine Ausbildung oder ein Abschluss vorgeschrieben ist.
Die gute Nachricht: Es gibt verlässliche Kriterien, die bei der Orientierung helfen.
Worauf es bei der Auswahl ankommt
Ausbildung und fachlicher Hintergrund
Eine formale Ausbildung zur Lektorin oder zum Lektor gibt es nicht. Was es gibt, sind Studiengänge, die eine solide Grundlage für die Arbeit mit Texten legen: Germanistik, Sprachwissenschaft oder Literaturwissenschaft. Daneben gibt es Weiterbildungen und Zertifikatskurse, die gezielt auf das Lektorat vorbereiten.
Entscheidend ist weniger der formale Abschluss als die Frage, ob jemand Erfahrung mit Texten wie Ihrem mitbringt und das zeigen kann, zum Beispiel durch Referenzen, eine klare Spezialisierung oder eine aussagekräftige Website.
Spezialisierung und Fachkenntnis
Nicht jede Lektorin und nicht jeder Lektor ist für jeden Text gleich gut geeignet. Ein juristischer Fachtext stellt andere Anforderungen als ein Ausstellungskatalog, eine Imagebroschüre andere als ein Behördenschreiben. Wer sich auf ein bestimmtes Themengebiet spezialisiert hat, kennt die Konventionen, die typischen Fallstricke und den richtigen Ton.
Ob ein Fachlektorat notwendig ist oder ein sprachliches Lektorat reicht, hängt dabei vom Ziel, der Zielgruppe und dem Kontext des Textes ab. Wann ein Fachlektorat sinnvoll ist und wann ein Lektorat reicht, habe ich in einem eigenen Beitrag ausführlich erklärt: Brauche ich ein Fachlektorat?
Mitgliedschaft im VFLL
Ein erstes, verlässliches Qualitätsmerkmal ist die Mitgliedschaft im Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL). Der Verband setzt bestimmte Qualitätskriterien voraus und verpflichtet seine Mitglieder auf einen Verhaltenskodex. Eine Mitgliedschaft bedeutet nicht automatisch, dass jemand die beste Wahl für Ihren Text ist. Aber sie ist ein Hinweis darauf, dass jemand seine Arbeit professionell betreibt.
Auch ich bin Mitglied im VFLL. Mein Profil finden Sie hier.
Transparenz bei Preisen und Ablauf
Eine seriöse Lektorin oder ein seriöser Lektor kommuniziert klar: Was kostet die Leistung? Wie läuft die Zusammenarbeit ab? Was ist im Preis enthalten? Wer auf Nachfrage keine klaren Antworten geben kann oder will, lässt Fragen offen, die sich später als Problem herausstellen können.
Ein schriftliches, unverbindliches Angebot vor Beginn der Zusammenarbeit ist Standard. Wer darauf verzichtet, sollte das begründen können.
Meine Preise und den Ablauf der Zusammenarbeit finden Sie auf meiner Website.
Die erste Kommunikation als Indikator
Wer sorgfältig arbeitet, kommuniziert in der Regel auch sorgfältig. Das zeigt sich schon bei der ersten Kontaktaufnahme: Wird auf Ihre konkrete Anfrage eingegangen oder kommt eine Standardantwort, die genauso gut an jede andere Person hätte geschickt werden können? Das ist kein Zufall, sondern ein Hinweis auf die Arbeitsweise.
Referenzen: Warum sie im Lektorat oft rar sind
Bei vielen Dienstleistungen sind Kundenstimmen ein wichtiges Entscheidungskriterium. Im Lektorat ist das etwas anders: Viele Kundinnen und Kunden möchten nicht öffentlich erwähnt werden, sei es aus Diskretion oder weil sie nicht preisgeben möchten, dass ihr Text professionell überarbeitet wurde. Das ist völlig legitim und bedeutet nicht, dass jemand keine Erfahrung hat.
Wenn Referenzen vorhanden sind, können sie natürlich ein Hinweis auf Qualität und Zuverlässigkeit sein. Fehlen sie, sagt das allein noch nichts über die Arbeit aus.
Wo finde ich eine Lektorin oder einen Lektor?
Es gibt verschiedene Wege. Eine gute erste Anlaufstelle ist das Verzeichnis des VFLL unter lektoren.de, wo sich Lektorinnen und Lektoren nach Fachgebiet, Textart und Region suchen lassen. Auch Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk sind oft wertvoll, ebenso eine gezielte Google-Suche nach spezialisierten Lektorinnen und Lektoren für das jeweilige Themengebiet. Wer auf LinkedIn oder Xing aktiv ist, findet dort ebenfalls Fachleute mit entsprechendem Profil.
Die Chemie muss stimmen
Fachliche Kompetenz ist wichtig, aber nicht alles. Lektorat ist eine Zusammenarbeit und die funktioniert am besten, wenn die Kommunikation reibungslos läuft. Wird auf Ihre Anfrage eingegangen? Haben Sie das Gefühl, dass jemand Ihren Text wirklich verstehen möchte? Vertrauen Sie Ihrem ersten Eindruck, er sagt oft mehr, als man denkt.
Was Sie vor der Beauftragung fragen können
Bevor Sie eine Lektorin oder einen Lektor beauftragen, lohnt es sich, einen Blick auf die Website zu werfen. Gibt es klare Informationen zu Leistungen, Preisen und Ablauf? Wird deutlich, auf welche Themen oder Textarten jemand spezialisiert ist? Und macht die Kommunikation einen professionellen, individuellen Eindruck?
Wer diese Fragen mit Ja beantworten kann, ist auf einem guten Weg.
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